Jochen Distelmeyer: Dankbares Publikum

Jochen Distelmeyer
„Songs From The Bottom Vol.1“

(Four Music)

Wer wollte schon allen Ernstes behaupten, Jochen Distelmeyer wäre nur ein Wünstler. Dass dieser Mann nicht nur will, sondern auch kann, hat er schließlich nicht nur mit einem halben Dutzend grandioser Blumfeldplatten, fast alle gemacht für die Ewigkeit, bewiesen, auch sein erstes Solo „Heavy“ überzeugte vor gut fünf Jahren aus dem Stand mit Feingefühl, bissigem Wortverschnitt und sogar ein paar zuckenden Beats. Als er dann auch noch zum Buchautor („Otis“) ansetzte, war klar, dass Schaffenskrise nicht zum Distelmeyerschen Vokabular zählt. Und dennoch läßt einen das nun erschienene Album zuweilen etwas ratlos zurück. Man fragt sich, was er wohl mit diesem (Achtung: erste haltlose Verallgemeinerung) 'Klampfenalbum' voller selbstgeliebter Coverfavoriten bezwecken wollte. Und findet in den Linernotes schon eine erste Antwort dazu: Entstanden seien diese „Lieder von unten“ während seiner Lesereisen, wo er einige von ihnen regelmäßig anzuspielen pflegt(e). Und um den häufigen Nachfragen der Fans Genüge zu tun, hat er sie halt nun in die Rillen gepresst. Und sich gleich ein wenig selbst entschuldigt.

Denn das Zeug zum Klassiker, wie es die Alben seiner Band fast durch die Bank besitzen, möchte man hier wirklich nur wenigen seiner Variationen zusprechen. Und das liegt keinesfalls an der mehr als sparsamen Bearbeitung – es lenkt nichts ab, das ist nicht falsch und Distelmeyer selbst hat bekanntlich eine so tragfähige wie charismatische Stimme. Es ist einfach so, dass sich manches der Stücke schon so abgehört hat, dass eine abermalige, wenn auch gut gemeinte Überarbeitung am Sättigungsgehalt nichts wirklich ändern kann. Das gilt leider für Lana Del Reys „Video Games“ ebenso wie für Al Green’s All-Time-Classic „Let’s Stay Together“ und Pete Seegers „Turn, Turn, Turn“. Den Beweis, dass Britney Spears‘ „Toxic“ entgegen anderslautenden Meinungen ganz gewiss kein großartiger Popsong ist, hätte Distelmeyer nicht erst antreten müssen, nach dem famosen „I Read A Lot“ von Nick Lowe treten textliche Einfalt und kompositorischen Simplizität mehr als deutlich zu Tage.



Aber der Mann hätte seinen Ruf nicht, wenn ihm nicht auch ein paar Überraschungen gelängen. Nein, nicht der „Pyramid Song“, dem fehlt dann doch einiges vom zarten Zauber des Originals – wie Distelmeyer aber beispielsweise Avicii’s „I Could Be The One“ mit wenigen Handgriffen, also Piano und sachten Drums, zum sphärischen Entspanner macht oder sich die tatsächlich arg abgenudelte (meint: Gegenbeweis) „Bitter Sweet Symphony“ von The Verve mittels ein paar hart angeschlagener Akkorde im wahrsten Wortsinn zurechtpfeift, das nötigt schon wieder einigen Respekt ab. Mehr als versöhnlich der Abschluss der Liedersammlung – Kris Kristofferson’s „The Old Road“ und das so kurze wie sagenhafte „Beautiful Cosmos“ von Ivor Cutler: Wie so oft sind es die schnörkellosen, die geradlinigen Dinge, die einen in den Bann ziehen und hier gehört Jochen Distelmeyer, nicht unclever, einfach mal für ein paar Momente dazu. Davon abgesehen – man hört ihn halt doch immer noch gern beim Singen zu … http://www.jochendistelmeyer.de/

22.01.  Stuttgart, Merlin
04.03.  Chemnitz, Atomino
05.03.  Dessau, Kurt Weill Fest, Beatclub
06.04.  Dresden, Groove Station
07.04.  Bremen, Lagerhaus
08.04.  Magdeburg, Moritzhof
09.04.  Hamburg, Knust
12.04.  Essen, Zeche Carl
13.04.  Bielefeld, Forum
14.04.  Frankfurt, Brotfabrik
15.04.  München, Volkstheater
16.04.  Augsburg, Kantine
18.04.  Düsseldorf, Zakk
19.04.  Heidelberg, Karlstorbahnhof
20.04.  Köln, Gebäude 9
21.04.  Hannover, Lux
23.04.  Stade, Hanse Song Festival
10.05.  Braunschweig, Brunsviga
11.05.  Berlin, BiNuu
13.05.  Rostock, Zwischenbau
19.05.  St. Pölten, Cinema Paradiso
20.05.  Ebensee, Kino
21.05.  Wörgl, Astnersaal
22.05.  Feldkirch, Theater am Saumarkt
25.05.  Salzburg, Rockhouse
28.05.  Husum, Speicher